Mit Spielcasinos die Wirtschaft verstehen – oder: „Wenn der Angler zum Fisch wird…“

von Michael Weick.

Wie Pilze sprießen sie gerade vielerorts aus dem Boden: Private Spielcasinos. Aus den einst verpönten Spielhallen und Spielotheken haben sich moderne, Lounge ähnliche Einrichtungen entwickelt – was exemplarisch auch die „Spiel Stations“ zeigen, mit rund 180 Centern einer der führenden Anbieter der deutschen Automatenwirtschaft. An Autohöfen entlang der Autobahnen, in den Innenstädten, ja sogar auf Flughäfen und Bahnhöfen trifft man auf Spielcasinos und fragt sich: Was verbirgt sich hinter diesem Geschäftsmodell? Und noch spannender: Kann ein Spielcasino als Beispiel dienen, die Wirtschaft zu verstehen? Der nachfolgende Bericht hält einige Antworten auf diese Fragen für Sie bereit!

Aus Sicht eines „spielenden Gastes“ könnten Spielcasinos dem „Schlaraffenland“ gleiche Einrichtungen sein: Man wird freundlich empfangen, findet eine saubere und hübsch eingerichtete Spielstätte vor, wird von freundlichen Damen mit Getränken, Snacks und mancherorts sogar Zigaretten versorgt und bekommt zusätzlich noch die Möglichkeit, mit einem geringen Einsatz von ein paar Euros und etwas Glück bis zu 1.000 EUR zu gewinnen.
Manch einer gibt sich der Illusion hin, dem Glück durch seine besonderen Fähigkeiten auf die Sprünge zu helfen, das Spiel gar zu steuern. Andere hingegen begnügen sich damit, ihren Problemen in der Realität zu entfliehen – laut Studien fallen allein in Deutschland bis zu einer halben Million Menschen durch krankhaftes oder problematisches Spielverhalten auf. Alle Gäste zusammen verspielen heute fast doppelt so viel Geld wie noch vor sechs Jahren.

Die Betreiber dieser Spielstätten hingegen freuen sich über etwa 40 % aller Geldeinsätze, die  ihnen aufgrund von Gesetzen zufließen; kumuliert sind das pro Jahr Umsätze in Höhe von etwa 4,2 Milliarden Euro, eine durchaus stolze Summe. Große Anbieter, wie die eingangs erwähnten „Spiel Stations“, sind dabei wie Einzelhandelsketten organisiert.

Die Hersteller der Geldspielgeräte, von denen in Deutschland insgesamt 242.000 Geräte im Einsatz sind, arbeiten vielerorts mit Leasingbanken zusammen und lassen die neusten psychologischen Erkenntnisse, wie die spielenden Gäste möglichst lange an den Automaten gehalten werden können, in die Entwicklung mit einfließen.

Der Gesetzgeber bekommt von den Betreibern neben Umsatz- und Ertragssteuern auch eine „Vergnügungssteuer“ pro aufgestelltes Geldspielgerät, die alleine der jeweiligen Kommune zufällt und erklärt, warum es so einfach geworden ist, neue Spielcasinos zu begründen. Daneben wurde 2006 die Spielverordnung gelockert, wodurch es möglich wurde, mehr Geräte pro Spielstätte aufzustellen, die zusätzlich auch noch höhere Gewinne auswerfen dürfen.

Die Verbände der Automatenwirtschaft betreiben Lobbyarbeit zum Gesetzgeber hin und haben es als größten Erfolg vor einigen Jahren geschafft, das drohende Aus der gesamten Automatenwirtschaft zu verhindern. Ja, sie haben sogar bewirkt, dass die Spielverordnung gelockert wurde und viele Vorgaben aus dieser durch das sogenannte „Punktespiel“ umgangen werden können. Zusätzlich konnten zwei eigene Berufsbilder für Ausbildungsberufe erwirkt werden, wie dieser Weg bereits früher von der Systemgastronomie beschritten wurde.

Bleiben am Ende noch die Geldspielgeräte übrig, die es schaffen, den Spielanreiz durch Ton- und Lichteffekte zu verstärken und durch eine Ausschüttungsquote von ungefähr 60 % das Geschäftsmodell am Laufen zu halten. Nach zwei Betriebsjahren werden die Geräte aktuell noch erstmalig von staatlicher Seite überwacht und zumeist vom Betreiber nach vier Jahren entsorgt.  Damit ein Automat Gewinne in Höhe von 500 EUR ausspucken kann, muss er zuvor mit rund 830 EUR „gefüttert“ werden. Schon nach kurzer Spieldauer fesselt der Automat seinen Spieler durch suggerierte „Fast- oder Beinahegewinne“, wobei sich oftmals beim Menschen ein gutes Gefühl einstellt, obwohl faktisch gar nichts gewonnen wurde. Da man aber gerade den Jackpot nur ganz knapp verpasst hat, wird weitergespielt, bis der Automat auch den letzten Euro vereinnahmt hat.

An dieser Stelle endet dann die Bewirtung des Gastes. Dieser besorgt sich entweder ganz schnell neues Geld oder fährt traurig nach Hause.