{"id":151,"date":"2013-02-02T17:31:30","date_gmt":"2013-02-02T16:31:30","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hyperskill.de\/?p=151"},"modified":"2013-02-03T14:08:29","modified_gmt":"2013-02-03T13:08:29","slug":"lernen-in-systemen-auswege-aus-einem-dilemma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hyperskill.de\/?p=151","title":{"rendered":"Lernen in Systemen: Auswege aus einem Dilemma"},"content":{"rendered":"<p><em>von <a href=\"http:\/\/www.hyperskill.de\/html\/kontakt\/Sabine_Stadler.htm\" target=\"_blank\">Sabine Stadler<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><strong>Erst k\u00fcrzlich haben die Krankenkassen Alarm geschlagen, dass die psychischen Erkrankungen von Arbeitnehmern dramatisch zunehmen. Seit etwa 20 Jahren wei\u00df man, dass sich die Arbeitswelt in einem \u00c4nderungsprozess befindet. Man kann den Wandel sogar detailliert beschreiben. Auch nicht neu: Verhaltensauff\u00e4lligkeiten von Kindern nehmen kontinuierlich zu. In den letzten Jahren dazugekommen: Die Bologna-Reform war gut gedacht, hat aber unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen hervorgebracht. Eltern sind unerm\u00fcdlich auf der Suche nach &#8220;Angeboten&#8221; f\u00fcr ihre Kinder, um sie \u2013 ja, wof\u00fcr eigentlich? \u2013 fit zu machen.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir unsere Kinder in 20 oder 30 Jahren fragen, wie sie ihre Kindheit erlebt haben, werden sie uns m\u00f6glicherweise erstaunt ansehen: Welche Kindheit? \u2013 Meint ihr die paar Jahre, bevor der &#8220;Ernst des Lebens&#8221; begann? Dieser Zeitpunkt ist nicht genau datierbar, f\u00fcr manche endete der unbeschwerte Teil ihrer Kindheit mit Beginn der Grundschule oder auch des bilingualen Kindergartens, sp\u00e4testens aber mit Eintritt in eine weiterf\u00fchrende Schule.<\/p>\n<p>Erwachsene, die ihre Kindheit in den 60er oder 70er Jahren des letzten Jahrhunderts verbrachten, hatten vor allem: Zeit und Raum. Ihre Eltern waren vorzugsweise mit eigenen Dingen besch\u00e4ftigt, materieller Reichtum war selten im \u00dcberfluss vorhanden und Kinder waren einfach nur Kinder. Und die sollten sich nach M\u00f6glichkeit selbst besch\u00e4ftigen und ansonsten p\u00fcnktlich zum Essen zu Hause sein. Schule spielte keine so gro\u00dfe Rolle, lediglich &#8220;Sitzenbleiben&#8221; war zu vermeiden, aber irgendwie war immer klar, dass aus jedem etwas werden w\u00fcrde. Und dies traf auch f\u00fcr die meisten zu. Die Kinder verbrachten ihre Zeit mit Gleichaltrigen, mussten ihre Freizeit selbst organisieren und gestalten, hatten Pl\u00e4tze in der Natur, an denen selten Erwachsene auftauchten, konnten vieles ausprobieren, selber machen und Erfahrungen sammeln. Das funktionierte in der Regel sehr gut und ganz nebenbei erwarben sie wertvolle Kenntnisse: Sie lernten, die unterschiedlichsten Themen anzugehen, Strukturen zu schaffen, \u00dcber- und Unterordnungen zu bilden, Konflikte zu l\u00f6sen, Priorit\u00e4ten zu setzen, ohne dass ihnen dies aufgetragen oder vermittelt worden w\u00e4re. Nat\u00fcrlich und systemisch. Von Kompetenzen sprach damals noch niemand, aber die jungen Menschen waren fit f\u00fcrs Leben.<\/p>\n<p>Heute machen sich unz\u00e4hlige Menschen im Einzelnen und zahlreiche Institutionen Gedanken, wie die Kinder von heute zu sein haben und was sie an Kompetenzen brauchen, um das Leben von morgen erfolgreich zu bestehen. Interessanterweise sind das oft Menschen, die eine &#8220;f\u00f6rderliche&#8221; Kindheit erlebt haben. Warum? Haben die starken Eltern von heute so wenig Vertrauen in ihre Kinder oder so viel Angst vor der Zukunft, dass sie glauben, Kinder w\u00fcrden nur erfolgreich, wenn man sie bzw. die wichtigen Kinderjahre nur energisch genug (ver-)plante? Manchmal erinnern die Erwachsenen auch ein bisschen an \u00c4rzte: Sie diagnostizieren st\u00e4ndig Dinge, die nicht in Ordnung sind, stellen jede Menge Symptome fest, an denen &#8220;das System&#8221; krankt, und tun was? Geben gute Ratschl\u00e4ge, verabreichen Medizin (gerne auch hom\u00f6opathisch f\u00fcr das bessere Gef\u00fchl), verbinden Wunden und suchen Schuldige bzw. die Ursachen woanders. Sie vergessen dabei allerdings, dass sie Teil des Systems sind, das sie st\u00e4ndig kritisieren, und zwar ma\u00dfgeblich.<\/p>\n<p>Was also k\u00f6nnte man tun? Gibt es eigentlich niemanden, der sich die Frage stellt, was man grunds\u00e4tzlich \u00e4ndern k\u00f6nnte? Doch, die gibt es: Eltern, die ihre Kinder &#8220;machen lassen&#8221;. Die sie nicht in ein Korsett zw\u00e4ngen aus eigenen W\u00fcnschen und fremden Zielen. Die sich freuen zu sehen, wie sich ihre Kinder aus eigenem Antrieb entwickeln, welche Talente sie entfalten und wie sie sich die Welt erschlie\u00dfen. Die den Kindern die M\u00f6glichkeit geben, ihre eigenen Erfahrungen \u2013 auch negative \u2013 zu machen. Die Vertrauen haben in ihre Kinder und unterst\u00fctzen oder eingreifen, wenn Bedarf besteht, statt alles vorher festzulegen. Meist sind das sehr unaufgeregte und gelassene Eltern (nicht zu verwechseln mit laisser-faire), die sich \u2013 oft ohne dass ihnen das bewusst ist \u2013 selber nat\u00fcrlich und systemisch verhalten. Die ihren Kindern genau dieses vorleben und sie von Anfang an in viele ihrer Aktivit\u00e4ten einbeziehen. Das kann ein Besuch im Deutschen Museum sein, wo sich V\u00e4ter und Kinder vorher \u00fcberlegen, was sie konkret anschauen wollen, eventuelle offen gebliebene Fragen zu Hause kl\u00e4ren und als Abschluss den M\u00fcttern den modernen Tunnelbau erkl\u00e4ren. Man kann Kinder Rad- oder Bergtouren planen lassen und im Urlaub dem in Erwartung langweiliger Besichtigungen \u00fcblichen Gemaule vorbeugen, indem man auch sie zu ihren W\u00fcnschen und Interessen befragt und diese dann auch ernst nimmt und umsetzt. Kinder, die mitwirken d\u00fcrfen, lernen nicht nur, sondern erfahren auch ein nat\u00fcrliches Gef\u00fchl f\u00fcr Wertsch\u00e4tzung und Selbstwirksamkeit, das wiederum die Basis f\u00fcr weitere Ideen, Motivation und Ausdauer ist.<\/p>\n<p>Auch in den Schulen gibt es inzwischen viele Ans\u00e4tze f\u00fcr Lernen in Systemen, oft in Projektform und auch f\u00e4cher\u00fcbergreifend. Auch wenn manche Lehrer den Sinn noch nicht erkannt haben und lieber ihren pers\u00f6nlichen Arbeitseinsatz beklagen, der in der Anfangszeit vor und nach Einf\u00fchrung solcher Projektarbeit zweifellos vorhanden ist. Der Weg ist aber auf jeden Fall zu begr\u00fc\u00dfen. Oft entstehen im Laufe der Projekte Initiativen oder sogar Sch\u00fclerfirmen, die erfolgreich sind und auch nach Abschluss des Projekts weitergef\u00fchrt werden. Auch hat man sich in manchen Schulen auf die Erkenntnis besonnen, dass das, was man selber erfahren, durchdacht oder erarbeitet hat, am besten im Ged\u00e4chtnis verankert wird. &#8220;Selbst organisiertes Lernen&#8221; ist das Stichwort, das \u2013 auch &#8211; wieder dorthin zur\u00fcckf\u00fchrt, von wo viele ein bisschen abgekommen zu sein scheinen: selber zu denken, zu \u00fcberlegen, wer sie eigentlich sind und was sie wollen. Sich Ziele zu \u00fcberlegen, die zu ihnen passen und schauen, wie sie sie erreichen k\u00f6nnen. Nicht immer nur zu konsumieren und zu kritisieren oder zu erwarten, dass man ihnen Angebote macht, die sie nur anzunehmen oder abzulehnen brauchen. Agieren statt reagieren \u2013 und das geht systemisch definitiv angenehmer!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Sabine Stadler. Erst k\u00fcrzlich haben die Krankenkassen Alarm geschlagen, dass die psychischen Erkrankungen von Arbeitnehmern dramatisch zunehmen. Seit etwa 20 Jahren wei\u00df man, dass sich die Arbeitswelt in einem \u00c4nderungsprozess befindet. Man kann den Wandel sogar detailliert beschreiben. 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