{"id":294,"date":"2014-09-08T13:31:33","date_gmt":"2014-09-08T12:31:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hyperskill.de\/?p=294"},"modified":"2024-04-20T15:31:11","modified_gmt":"2024-04-20T14:31:11","slug":"und-immer-wieder-sind-die-anderen-schuld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hyperskill.de\/?p=294","title":{"rendered":"Und immer wieder sind die anderen schuld"},"content":{"rendered":"<p><b>\u00a0<\/b><em>von <a href=\"http:\/\/www.hyperskill.de\/html\/kontakt\/Sabine_Stadler.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sabine Stadler<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><b>Wahrscheinlich kennt jeder Zeitgenossen, die Fehler gerne anderen in die Schuhe schieben. Schuldzuweisungen sind beliebt, liefern sie doch immer gleich die &#8220;Ent-Schuldigung&#8221; mit und schaffen damit sofortige Erleichterung eines Zustands, der f\u00fcr manche Menschen unertr\u00e4glich scheint: f\u00fcr sich selbst verantwortlich zu sein. Ein Blick sowohl in die Medien als auch in das eigene Umfeld l\u00e4sst den Eindruck entstehen, die &#8220;Nicht-Schuldigen&#8221; seien auf dem Vormarsch. <\/b><\/p>\n<p>Eigentlich freuten wir uns auf den Abend. Die Gruppe ehemaliger Studienkollegen hatte sich lange nicht gesehen. Einen Termin zu finden, zu dem alle kommen konnten, war nicht einfach gewesen. Auch die Entscheidung f\u00fcr ein Lokal war \u2013 verglichen mit fr\u00fcher \u2013 ungew\u00f6hnlich schwierig. Aber egal, die Freude auf das Wiedersehen \u00fcberwog, allerdings mit einer kleinen roten Flagge im Hinterkopf: Florian w\u00fcrde auch dabei sein. Florian, der sich selbst als &#8220;Systemkritiker aus Leidenschaft&#8221; bezeichnete und den wir damals eher als Spinner gesehen hatten. Florian, der schon vor Jahren immer alles so hinbiegen konnte, dass er nie schuld an irgendetwas war. Florian, der immer und \u00fcberall dabei war, ohne gro\u00df aufzufallen, der mitlief, allerdings langsam, weil er etwas beh\u00e4big war. Florian, der es immer wieder geschafft hatte, schlechte Stimmung zu verbreiten. Die Bedenken waren schnell zur Seite gewischt, schlie\u00dflich ging es darum, zu zeigen, wie man sich weiterentwickelt hatte und zu sehen, was aus den Anderen geworden war. Der Abend war dann ganz nett \u2013 dieses &#8220;ganz nett&#8221;, das als Bewertung immer dann herhalten muss, wenn kein wirkliches Ergebnis, kein Erfolg, kein pers\u00f6nlicher Energiegewinn zu verzeichnen ist. Denn: Die Atmosph\u00e4re wurde ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt durch Florian, der zwar weder beruflichen Erfolg noch privates Gl\u00fcck vorweisen konnte, dagegen aber eine Art Perfektion darin entwickelt hatte, andere daf\u00fcr verantwortlich zu machen. Nat\u00fcrlich war auch der Zeitpunkt f\u00fcr ihn schlecht und das Lokal unter seinem Niveau.<\/p>\n<p><b>Warum manche Menschen nicht schuld sein k\u00f6nnen<\/b><\/p>\n<p>Woher kommt die Eigenart mancher Menschen, die Schuld f\u00fcr alles, was ihnen widerf\u00e4hrt, bei anderen zu suchen? Sich (und anderen) keinen Fehler einzugestehen, kein Wort der Entschuldigung \u00fcber die Lippen zu bringen? Eigentlich sollte es das Normalste der Welt sein, Fehler machen und sie zu korrigieren zu d\u00fcrfen. Trial and Error, beliebte Probleml\u00f6sungsmethode, braucht den Fehler quasi als Voraussetzung f\u00fcr den Lerneffekt, allerdings gilt das offenbar nicht im (zwischen-)menschlichen Bereich.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt dieser &#8220;Schuldabweisungstendenz&#8221; ist in vielen F\u00e4llen das Selbstwertgef\u00fchl, in diesem Fall ein schwach ausgepr\u00e4gtes. Ein potenzieller Fehler wird schnell f\u00fcr das eigene Selbst bedrohlich und muss geleugnet oder abgewendet werden. Nicht selten wird der Grundstein dazu schon in der Kindheit gelegt, wenn Eltern oder weitere Bezugspersonen uns aus eigener Unsicherheit Fehler als etwas vermitteln, was unbedingt zu vermeiden ist oder \u2013 andersherum formuliert \u2013 uns einsch\u00e4rfen, immer alles &#8220;richtig&#8221; zu machen, am besten &#8220;perfekt&#8221; zu sein. Statt zu lernen, dass man Fehler machen darf und dass &#8220;richtig&#8221; oder &#8220;falsch&#8221; oft keine sinnvollen Kriterien sind, entwickeln sie Angst vor Fehlern und das pr\u00e4gt ihr Verhalten. Der Anspruch an die eigene Perfektion geht manchmal so weit, dass &#8220;etwas falsch machen&#8221; schlichtweg nicht vorstellbar ist, nicht vorkommen darf. Manche Menschen sind \u00fcberzeugt, ohne Anerkennung anderer nicht \u00fcberleben zu k\u00f6nnen und glauben, dass diese ihnen entzogen wird, sobald sie einen Fehler machen. Um also in der Gunst ihres Umfeldes nicht zu sinken, m\u00fcssen sie ihre Fehler verbergen, leugnen oder &#8220;weiterleiten&#8221;. Der Fehler an sich wiegt so schwer, dass sie sich, wenn sie ihn zugeben, der Gefahr aussetzen, als Versager dazustehen und abgelehnt zu werden. Wieder andere mussten in ihrer Jugend als S\u00fcndenbock f\u00fcr alles M\u00f6gliche herhalten, tragen Vorw\u00fcrfe und Beschuldigungen mit sich herum und f\u00fchlen sich noch heute schnell kritisiert oder gekr\u00e4nkt, wenn bestimmte S\u00e4tze fallen wie &#8220;Wieso hast du \u2026?&#8221;, &#8220;Wie konntest du nur \u2026?&#8221;oder &#8220;Du hast wieder mal \u2026&#8221;.<\/p>\n<p><b>Leichtere und schwere F\u00e4lle<\/b><\/p>\n<p>Menschen, bei denen immer die anderen schuld sind, sind oft schlecht fassbar, schwer einzusch\u00e4tzen, wenig verl\u00e4sslich und ziehen sich immer irgendwie aus der Aff\u00e4re. Und genau das ist ihr Ziel, auch wenn es ihnen nicht bewusst ist. Manche machen das sehr charmant, so dass man ihnen kaum b\u00f6se sein kann. Andere weichen in Gespr\u00e4chen st\u00e4ndig aus, wenn sie das Gef\u00fchl haben, &#8220;festgenagelt&#8221; zu werden oder tauchen unter, wenn es f\u00fcr sie brenzlig werden k\u00f6nnte. Die &#8220;Experten&#8221; drehen den Spie\u00df um und suchen gezielt Fehler oder Schw\u00e4chen bei anderen, die sie ausnutzen k\u00f6nnen, um von sich selber abzulenken, oder gehen gleich zum Gegenangriff \u00fcber: &#8220;Wenn du \u2026 nicht \u2026, dann w\u00e4re das nicht passiert.&#8221;<\/p>\n<p>Der Haken an der ganzen Sache ist allerdings, dass die wenigsten Menschen verantwortlich sein wollen f\u00fcr das, was ein anderer zu verschulden hat, und sich ungern den &#8220;Schwarzen Peter&#8221; zuschieben lassen. Beziehungsf\u00f6rdernd ist ein solches Verhalten sicher nicht.<\/p>\n<p><b>Wohin kann fehlendes Schuldbewusstsein f\u00fchren?<\/b><\/p>\n<p>Ein Mensch, der nicht schuld sein kann, (miss-)braucht andere Menschen, die oft genug f\u00fcr ihn den &#8220;Kopf hinhalten&#8221; m\u00fcssen. Interessanterweise betrifft das nur negative Erlebnisse, positive Ereignisse werden problemlos sich selber zugeschrieben, Mitwirkende gar au\u00dfen vor gelassen. Auch ein ehrlich gemeintes &#8220;Danke&#8221; kommt bei ihnen nicht vor. Manche dieser Menschen betr\u00fcgen sich selbst oder machen sich etwas vor, f\u00fchlen sich nicht ernst genommen, nicht richtig wahrgenommen oder gegen\u00fcber anderen benachteiligt. Auf jeden Fall pr\u00e4sentieren sie ihrem Umfeld eine Person, die sie nicht sind, und setzen unterschiedliche Masken auf, je nachdem, in welcher Umgebung sie sich gerade befinden. Das Bild, das sie von sich vermitteln wollen, darf auf keinen Fall durch eigenes Verschulden besch\u00e4digt werden.<\/p>\n<p>Trifft man auf Menschen, die jahrzehntelange \u00dcbung im Leugnen von Schuld haben, kann es besonders unangenehm werden. Sofern sie ebenso lange keine Sanktionen f\u00fcr ihr Verhalten erfahren haben, entwickeln sie eine grunds\u00e4tzliche Rechtfertigung, eine Art Freibrief f\u00fcr ihre Machenschaften bis hin zu einer Sondermoral und gleichzeitig eine hervorragende Wahrnehmung f\u00fcr alles, was bei anderen Menschen an Schw\u00e4chen, Fehl- oder Minderleistung auftritt und nutzbar sein k\u00f6nnte.\u00a0Kein Vorwurf ist ihnen zu abwegig, keine Ausrede zu albern. Die sch\u00f6nste Freude, die man ihnen machen kann, ist ein Missgeschick, einen Fauxpas zu begehen, auf ein Hindernis zu sto\u00dfen oder irgendwie au\u00dfer Gefecht gesetzt zu werden, dann bricht sich Schadenfreude Bahn, da kann man solche Leute, die ja meist schlecht gelaunt und latent aggressiv daherkommen, auch schon mal kurzfristig fr\u00f6hlich erleben. Klar, sie sind ja dann tats\u00e4chlich nicht schuld!<\/p>\n<p>Ganz raffinierte &#8220;Schuldabweiser&#8221; projizieren eigene Defizite auf andere und kritisieren sie dort. Im privaten Bereich &#8220;arbeiten&#8221; sie gerne mal mit emotionaler Erpressung und machen Partner, Eltern oder Geschwister f\u00fcr ihr (Un-)gl\u00fcck verantwortlich. Trifft man sie in Unternehmen wom\u00f6glich auf F\u00fchrungsebene, herrscht meistens Angstkultur um sie herum. Druck und Einsch\u00fcchterung sind die F\u00fchrungsinstrumente, da wird jeder Fehler, jedes Vergehen, jede Unzul\u00e4nglichkeit in Dossiers gesammelt und bei Bedarf hervorgeholt. Wer als &#8220;Zielscheibe&#8221; in den Fokus ger\u00fcckt ist, muss jedes Wort auf die Waagschale legen, nie wei\u00df man, wie die eigenen S\u00e4tze ankommen, wie sie zerpfl\u00fcckt und wie einem die Worte im Mund herum gedreht werden. Und wenn sich kein konkretes Vergehen finden l\u00e4sst, bleibt immer noch das Ausweichen auf die &#8220;Gef\u00fchlsebene&#8221; (&#8220;Ich f\u00fchle mich von dir verletzt.&#8221;), denn Gef\u00fchle sind weder beweispflichtig noch widerlegbar. Provokationen werden gezielt eingesetzt, um den anderen so dastehen oder reagieren zu lassen, dass er mit Recht verurteilt werden darf. Im Gegenzug achten die An-nichts-schuld-Seienden darauf, selber unberechenbar zu sein und vermeiden eigene konkrete Einlassungen und Festlegungen und am besten auch eigene Aktivit\u00e4ten, denn dann w\u00e4ren sie ja &#8220;bewertbar&#8221;, also \u2013 nach ihrem Verst\u00e4ndnis &#8211; angreifbar. In Unternehmen kann das wirtschaftliche Konsequenzen haben, wenn sich Mitarbeiter in ihrem Handeln nicht mehr daran orientieren, was von der Sache her sinnvoll ist, sondern daran, was sie tun oder unterlassen m\u00fcssen, um keinen \u00c4rger zu bekommen.<\/p>\n<p>Wer immer nur die Schuld woanders sucht, jammert und sich bedauern l\u00e4sst, provoziert und gegenschie\u00dft, wird an seinem Befinden nichts \u00e4ndern wollen und zementiert damit seinen Status quo. Keine Verantwortung f\u00fcr das eigene Handeln zu \u00fcbernehmen, sie quasi zu delegieren, ist bequem und entlastet, hat aber Nachteile: Man f\u00fchlt sich Situationen ausgeliefert, nimmt vieles pers\u00f6nlich, hat das Gef\u00fchl, sich sch\u00fctzen zu m\u00fcssen \u2013 aber nat\u00fcrlich wieder auf Kosten der anderen.<\/p>\n<p><b>Wie geht man mit &#8220;Schuldabweisern&#8221; um?<\/b><\/p>\n<p>Menschen, die keine Fehler zugeben k\u00f6nnen, sind eine Herausforderung f\u00fcr ihr Umfeld, privat und beruflich. Der Umgang mit ihnen kostet Kraft und ist nicht immer von Erfolg gekr\u00f6nt. Statt immer wieder jede einzelne Eskalation zu bew\u00e4ltigen, empfiehlt sich eine zentrale \u00dcberlegung: Wie wichtig ist mir die Beziehung zu diesem Menschen? Will oder muss ich sie aufrechterhalten oder kann ich sie &#8220;k\u00fcndigen&#8221;? Sollte der Umgang auch weiterhin n\u00f6tig sein, tut man sich keinen Gefallen, wenn man sich auf die Verhaltensweise des Schuldabweisers einl\u00e4sst, er wird immer gewinnen. Der beste Weg ist, den eigenen Kurs zu fahren, seinen eigenen Wirkungsbereich zu kennen und die eigenen St\u00e4rken einzusetzen, weil man dann am wenigsten angreifbar ist und am besten agieren kann. Dabei gleicherma\u00dfen klar und deutlich wie vorausschauend kommunizieren und mit eigenen Fehlern offen umgehen, um das Gef\u00fchl des Angriffs zu vermeiden. Und wenn alles nichts hilft: aus dem Weg gehen oder eine Beziehung beenden, auch wenn&#8217;s schwer f\u00e4llt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><em>Liebe Leser,<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><em>wie wir erfreut festgestellt haben, hat dieser Artikel hohe Klickzahlen, und wenn er Ihnen weitergeholfen hat, freuen wir uns umso mehr.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><em>Diese Thematik kommt aus unserer eigenen Praxis. Wir \u2013 die Trainer der <strong><a href=\"http:\/\/www.hyperskill.de\/\"><span style=\"color: #000080;\">hyperSKILL GmbH<\/span><\/a> <\/strong>&#8211; haben immer wieder solche F\u00e4lle und begleiten unsere Kunden dabei, den f\u00fcr sie richtigen Weg zu finden, Situationen erfolgreich zu bew\u00e4ltigen. Pauschalrezepte sind ja immer schwierig, denn jeder Mensch ist anders und was dem einen hilft, muss f\u00fcr den anderen noch lange keine gangbare Option sein. Daher haben wir unsere eigene Methodik und insbesondere unser <a href=\"https:\/\/www.hyperskill.de\/html\/leistungen\/hyperskill_reflexionsmodell.htm\"><strong>hyperSKILL Reflexionsmodell<\/strong><\/a> entwickelt, mit dem sich herausfinden l\u00e4sst, was eigentlich f\u00fcr einen selber &#8220;richtig&#8221; und damit auch machbar ist.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><em>Falls Sie gerne tiefer einsteigen und eine L\u00f6sung finden wollen, weil Sie mit einer entsprechenden Problematik zu tun haben oder einen effektiven Zugang zu Selbstreflexion suchen,<strong> <a href=\"mailto:info@hyperskill.de\">kontaktieren Sie uns<\/a><\/strong>! Wir empfehlen als Einstieg die <a href=\"http:\/\/www.hyperskill.de\/html\/leistungen\/selbstkenntnis.htm\"><strong><span style=\"color: #000080;\">Selbstkenntnis<\/span><\/strong> <\/a>oder eine <strong><a href=\"https:\/\/www.hyperskill.de\/html\/leistungen\/situationsanalyse.htm\"><span style=\"color: #000080;\">Situationsanalyse<\/span><\/a><\/strong>.<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0von Sabine Stadler. Wahrscheinlich kennt jeder Zeitgenossen, die Fehler gerne anderen in die Schuhe schieben. 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