Wie Anne es schaffte, ihre Beziehung zu retten

von Sabine Stadler.

Und plötzlich ist er da: der Moment, vor dem man sich schon länger fürchtet.

Im Fall von Anne machte ihr Lebensgefährte Markus eines Montags so knapp wie unspektakulär klar, er würde sein Leben ändern wollen, könne sich aber nicht vorstellen, dass dies mit ihr zusammen klappte. Sie wäre einfach nicht mehr die Frau, mit der er fröhlich alt werden wollte.

Der Schock saß tief, sie wollte ihn nicht verlieren, wusste aber spontan nicht, wie reagieren. Ganz unrecht hatte er nicht, sie hatte schon selbst gemerkt, dass sie sich über die Jahre in eine negative Richtung entwickelt hatte. Irgendwie war ihr die Gestaltung ihres Lebens aus der Hand geglitten, vieles klappte nicht so, wie sie sich das wünschte, sie fing viel an und brachte wenig zu Ende und fühlte sich trotzdem ständig erschöpft. Ihre Überlegungen, woran das liegen könnte, mündeten immer wieder in ein Gedankenkarussell, das sie nicht weiterbrachte. Sie igelte sich ein und gab Markus die Schuld für ihre Unzufriedenheit.

Zwischen Anne und Markus folgten diverse Auseinandersetzungen, die kein konstruktives Ergebnis brachten. Nur eins wurde deutlich: Beide fühlten sich jeweils vom anderen nicht verstanden und zu wenig unterstützt, aber ihre jeweiligen Positionen schienen Lichtjahre auseinander. Markus forderte Anne zu einer Therapie auf, wenn sie wirklich was ändern wollte.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Anne wollte keine Therapie, sie wusste aber, dass sich der Mann einer Freundin erfolgreich professionell bei einem beruflichen Veränderungsprozess hatte unterstützen lassen. Sie fragte nach dem Namen und nahm mit uns Kontakt auf.

Nach einem Naturspaziergang wusste Anne, dass der Weg herausfordernd, aber auch spannend werden würde. Es zeichnete sich ab, dass sie eine Menge Ballast aus ihrer Kindheit mit sich herumschleppte, was sich für sie wie ein dickes Knäuel ohne Anfang und Ende anfühlte. Dies galt es nun behutsam, aber konsequent durchstrukturiert “aufzudröseln”.

Das Zauberwort war “Reflexion”.

Die ersten Anhaltspunkte liefen – ungewohnt für Anne – über ihre Gefühle im Zusammenhang mit erlebten Situationen. Während des Reflexionsprozesses wurden Schritt für Schritt viele einzelne Ereignisse aus Vergangenheit und Gegenwart analysiert, verglichen, Ursachen ermittelt und alles in ein eigens zur Reflexion konzipiertes Dokument, den “Lebensbaum”, eingetragen. Die Struktur des Lebensbaums ebnet dann auch den Weg für weitere Erkenntnisse. Dabei kristallisierte sich heraus, dass es in Annes Elternhaus lange Zeit für sie belastende Ereignisse gab, die sie nur überstand, indem sie sich entweder unsichtbar machte oder in einen Leidenszustand flüchtete. Kaum erwachsen, verließ sie dieses Umfeld in der Hoffnung auf eine neue Freiheit. Das lief ganz gut, solange sie ungebunden war. Eine erste Ehe wurde jedoch schon nach 3 Jahren geschieden. Nach einigen Jahren Singledasein traf sie Markus, den sie attraktiv fand, weil er so aktiv war und sie mitreißen konnte. Bis eben zu seiner verhängnisvollen Entscheidung.

Im weiteren Reflexionsprozess wurde an Beispielsituationen ermittelt, wie sie sich ihren Partnern gegenüber verhalten hatte. Auch ihr Verhalten in anderen Rollen wurde betrachtet, beispielsweise als Kollegin oder als Freundin. Nahezu überall ergab sich das gleiche Bild. Sobald sich eine konflikthafte Situation anbahnte, schaltete Anne, ohne es zu merken, auf ihr “Jugendverhalten” um: Sie gab klein bei, passte sich an und begab sich in einen leidenden Zustand oder wurde tatsächlich krank. Aus Angst vor unangenehmen Konsequenzen wollte sie lieber nicht negativ auffallen.

Eine schmerzhafte Erkenntnis, aber wichtig!

Denn damit konnte das Problem erkannt und im Lebensbaum eingeordnet werden. Anne wurde schlagartig klar, dass dies ja Markus und vermutlich auch ihren ersten Mann ebenso betroffen hatte, und sie konnte – zum ersten Mal überhaupt – die Perspektive der jeweils anderen Person einnehmen und gefühlsmäßig zuordnen. Sie, Anne, war ja für die anderen gar nicht fassbar, quasi konturlos. Auch wenn es für sie persönlich ein Tiefpunkt war, im Reflexionsprozess konnte es von da an nur noch aufwärts gehen. Problem, Ursache, Auswirkungen waren reflektiert, bewertet und schriftlich festgehalten, damit konnten wir uns auf die Lösung konzentrieren. Wie könnte Anne ihr Verhalten künftig ändern, welche Handlungsalternativen hätte sie, wie stellt sie sich eine “neue” Beziehung mit Markus überhaupt vor? Da er mit ihrer schlimmen Jugend nichts zu tun hatte, machte ihr “altes” Verhalten ihm gegenüber natürlicherweise gar keinen Sinn. Ziel war eine gleichberechtigte Partnerschaft, die größte Hürde schien allerding die Umsetzung. Sie musste lernen, ihre Wünsche, Bedürfnisse und Ideen angemessen zu kommunizieren und auszuhalten, wenn nicht jeder Vorschlag auf Zustimmung traf. Lösungsschritte in Form von Aktivitäten wurden gemeinsam erarbeitet, sie mussten ja machbar sein. Damit stand ein Aktionsplan für die nächsten Wochen, der Anne ein richtig gutes Gefühl gab.

Fazit:

Über den gesamten Prozess hinweg hatte Anne gelernt, nach einer vorgegebenen natürlichen Struktur zu reflektieren. Etwas, was sie zuvor noch nie wirklich gemacht hatte. Inzwischen nimmt sie sich regelmäßig Zeit dafür und genießt die Klarheit, die dabei entsteht. Denn das Knäuel, mit dem sie so lange zu kämpfen hatte, ist entwirrt und sie weiß jetzt, wo sie ansetzen kann. Auch die einzelnen Lösungsschritte reflektiert sie, um zu prüfen, was funktioniert und was nicht und wo sie noch Alternativen ausprobieren könnte. Bei Fragen oder Problemen kann sie sich jederzeit an uns wenden, wir begleiten unsere Kunden so lange, bis sie ihr Ziel erreicht haben.

Bei Anne sieht es gut aus. Sie und Markus können jetzt konstruktive Gespräche auf Augenhöhe führen. Seit sie sich aus ihrer defensiven Haltung befreit hat, sieht sie ihn mit ganz anderen Augen. Sie hat verstanden, warum Markus mit ihr einfach nichts mehr anfangen konnte, und sie ist in der Lage, gemeinsame Situationen auch aus seiner Perspektive zu betrachten und zu fühlen. Das kommt auch bei Markus gut an und er empfindet ihre Veränderung als wohltuend. Sie schmieden wieder gemeinsame Pläne!

Bei unklaren Situationen empfehlen wir

1) unseren Naturspaziergang, der mithilfe der baumbildgestützten Reflexion zur Überprüfung der eigenen Reflexionsweise dient und erste Erkenntnisse liefert,

2) die Selbstkenntnis zum Erlernen der natürlichen Reflexion und

3) die Bearbeitung des persönlichen Lebensbaums zur natürlichen Reflexion des gesamten Lebens (inkl. Zukunft).